Soest Magazin November 2020

Ein leidenschaftlicher Sprachliebhaber … aber zugleich auch leidenschaftlicher Feminist: seine Sicht zum Genderdeutsch Rudolf Köster sagt über sich selbst, er sei „leidenschaftlicher Fe- minist“ – aber das unter dem Gesichtspunkt, dass es um das „be- dingungslose Eintreten für die Gleichstellung von Frau und Mann geht“. Als „(ebenfalls leidenschaftlichter) Sprachliebhaber“ hat er jedoch mit dem Gender-Mainstream so seine Probleme – und das insbesondere dann, wenn „dieser Grammatik und Semantik ohne Rücksicht auf Verluste zu überfluten beginnt“. In einem kleinen Büchlein befasst sich der ehemalige Deutschleh- rer genau mit diesem Thema und bietet seinen Lesern außerdem ansprechende Unterhaltung – nicht zuletzt auch durch seine Ver- se und Reimereien. „Ich weiß, dass Sprache lebt, aber …“ heißt das Werk des Soesters Rudolf Köster, das im Oktober im Pigmentar- Verlag (Sassendorf) als zweiter Band in der Reihe „BördeAutoren“ (nach „Tod am Teich“ im Juni) erscheint. Rudolf Köster erhebt nicht mahnend den Zeigefinger, sondern er gibt sinnvolle Denkanstöße. Und er lockert die ganze Thematik durch seine Reime humorvoll auf. Unter dem Titel „Gender-Erfah- rung“ heißt es zum Beispiel: „Nachdem Marie mich aufgeklärt, die aus Prinzip nur Fahrrad fährt, werd ich mich niemals mehr erfre- chen, bei einem Rad davon zu sprechen, dass dieses herrenlos dort steht, wenn’s um ein Damenfahrrad geht.“ Der „Gender-Fall- strick“ beinhaltet eine Frage, die eigentlich keine Antwort braucht. „Wird eine reine Frauen-Crew (gänzlich ohne Mann dazu) per Raumschiff in das All gesandt, gilt dieses dann als unbemannt?“ Häufig schmunzeln muss man auch bei den Fußnoten des Au- tors, in denen er gewitzt und scharfsinnig manchmal noch einen draufsetzt (zum Beispiel wenn er sich fragt, ob man mit „weibli- chen Formen“ überhaupt noch so unbefangen umgehen darf…) Und Köster gibt auch Beispiele für hör- und leseunfreundliche Blü- ten, hier ein Auszug der Dienstordnung für Schulen in NRW: „Die Stellvertreterin oder der Stellvertreter der Schulleiterin oder des Schulleiters nimmt im Verhinderungsfall der Schulleiterin oder des Schulleiters die Aufgaben der Schulleiterin oder des Schul- leiters wahr.“ Das „Genderdeutsch auf dem lyrischen Prüfstand“ ist ein erfri- schend lebendiger Angriff auf die abstrusen Verrenkungen in der Sprache und keinesfalls als Affront gegen die Gleichberechtigung zu verstehen. Rudolf Köster bringt es so auf den Punkt: „Spüren die militanten Verfechter einer ‚gendergerechten Sprache‘ nicht, dass sie damit eine viel zu wichtige und leider immer noch not- wendige Entwicklung eher konterkarieren?“ Geschlechtsbezo- gene Dopplung, innere Großbuchstaben, Schrägstriche oder ein Sternchen – all das verhunze die deutsche Sprache, aber helfe nicht bei der bedingungslosen Chancengleichheit der Geschlech- ter beziehungsweise bei der Gleichwertigkeit aller Menschen, so der Autor. th Wird eine reine Frauen-Crew (gänzlich ohne Mann dazu) per Raumschiff in das All gesandt, gilt dieses dann als unbemannt? 8

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