Perspektiven Werl Ausgabe 2 2022

Foto: Udo Jackenkroll Perspektiven Werler Generationenmagazin für die Region Ausgabe Juni 2022 soester-anzeiger.de Wunderschöne Ostsee Idyllische Orte für den Sommerurlaub Wiesen, Kirschblüte und Wald Wanderwege mit allen Sinnen erleben

Sparkasse SoestWerl Ihre Immobilie in guten Händen. www.sparkasse-soestwerl.de/immobilien Egal ob Sie eine Immobilie kaufen oder verkaufen möchten: Wir finden mit Ihnen gemeinsam die richtige Lösung für Ihre Wünsche. Immobilien-Vermittlung ist Vertrauenssache. Einfach. Komfortabel. Informiert. E-Paper Immer auf dem neuesten Stand sein und tollen Lesekomfort genießen. Lesen Sie Ihre Nachrichten einfach und komfortabel mit der individuell einstellbaren Schriftgröße. Tipp: Rätsel können Sie jetzt direkt im E-Paper lösen Jetzt anmelden unter Tel. 0800 8000 105 oder per E-Mail an epaperservice@wa.de Einfach. Ko fortabel. Informiert. E-Paper Immer auf dem neuesten Stand sein und tollen Lesekomf rt genießen. Lesen Sie Ihr Nachri ten ei fach und komf rtabel mit der indivi uell einstellbaren Schriftg öße. Tipp: Rätsel könne Sie jetzt direkt im E-Paper lösen Jetzt anmelden unter T l. 080 0 1 5 oder p E-Mail an epaperservice@wa.de

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 3 PERSPEKTIVEN Liebe Leserinnen und Leser! des Neuen Heimat- und Geschichtsvereins in unserer aktuellen Ausgabe. Weitere großartige Artikel finden Sie in der Übersicht. Für unser aktuelles Rätsel ist passend zu unseren Artikeln Bewegung gefragt. Also raus an die frische Luft und machen Sie sich auf die Suche nach den Details aus dem Bilderrätsel. Viel Spaß beim Lesen und Rätseln wünscht Ihnen das Redaktionsteam! Treffpunkt - Leben im Alter e.V., Redaktion Perspektiven Kurfürstenring 31, 59457 Werl treffpunkt-perspektiven-werl@web.de Passend zur (hoffentlich) sonnigen und warmen Jahreszeit haben wir uns für Sie wieder abwechslungsreiche Themen einfallen lassen und in verschiedenen Artikeln aufgearbeitet. Dieses Mal finden Sie viele Artikel rund um das Thema Natur, Bewegung und Gesundheit. Wieder dabei ist unser Gastautor Dr. Bernd Böggering mit dem Thema Darmgesundheit. Des Weiteren wird das Projekt „Latschen und Tratschen“ des Seniorenforums der Wallfahrtsstadt Werl vorgestellt. Außerdem finden Sie Informatives aus der Denkmalgruppe Zum Inhalt 4 Strände, Natur pur und mehr 6 Zeitverständnis und Zeitempfinden 8 Wandern mit dem SGV 10 Kräuter kennenlernen 12 Der gesunde Darm 14 Aktiv im Alter: die Vier vom Klöncafé 16 Über das gemeindliche Schiedswesen 18 Spaziergänge mit Unterhaltung 19 Sport und Bewegung für Ältere fördern 20 Krötenwanderung – Tierfreunde im Einsatz 22 Werler Denkmäler aus der Nähe betrachtet 23 Kolumne: Jeder führt seinen Gott ins Feld 24 Premiere im Treffpunkt 26 Rezept: Gemüse-Kartoffel-Frittata 27 Beliebte Irrtümer 28 Rätselseite 29 Buchbesprechung: Shelter 30 Rückblick und Ausblick Impressum Herausgeber: Treffpunkt-Leben im Alter e.V. Vorsitzender: Hendrik Weber, An der Schlamme 26 59457 Werl, weberhendrik@t-online.de In Zusammenarbeit mit dem W. Jahn-Verlag & Co KG Gesamtanzeigenleiter: Axel Berghoff, Tel.: 02381/105266 Druck: Print Media Group GmbH Gabelsbergerstraße 1, 59069 Hamm Erscheinungstag Heft 2/2022: 07.06.2022 Erscheinungsweise: 4/Jahr Auflage: 10.000 Exemplare Titelbild: Udo Jackenkroll Redaktion: Angelika Bechheim-Kanthak, Othmar Haupt, Ralf Hinz, Udo Jackenkroll, Karl-Josef Lippold, Wilfried Mars, Ellen Schmidt, Adolf Wiemhöfer E-Mail-Adresse: treffpunkt-perspektiven-werl@web.de Online-Ausgabe: https://www.westfalen-magazine.de/perspektiven-2 Haushaltshilfe Kreis Soest „Von Menschen für Menschen“ – Dienstleistung der Pflegekasse zu Hause nutzen … Die Beratung ist kostenlos, Hilfestellung bei der Antrag- stellung eine Selbstverständlichkeit. „Sprechen Sie uns gerne an, wir haben noch reichlich Kapazitäten und freuen uns auf Ihre Nachfrage.“ www.haushaltshilfe-kreissoest.de oder telefonisch unter 02922/9090276 oder Mobil unter 0152/29459270

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 4 PERSPEKTIVEN Strände, Natur pur und mehr Endlich, nach der langen Zeit der Corona-Einschränkungen, ist Reisenwieder möglich. Viele wünschen sich mal wieder eine Zeit an Strand und Meer in schöner Natur. Das alles und mehr bietet die Halbinsel FischlandDarß-Zingst. Sie ist mit ihren feinen Sandstränden eine der attraktivsten Reiseziele an der deutschen Ostseeküste. Mit etwas Glück kann man dort nach Sturm und starkem Seegang Bernstein finden. Ursprünglich waren Fischland, Darß und Zingst drei Inseln; Flutrinnen trennten sie voneinander. Heute bilden sie eine 45 Kilometer lange Halbinsel zwischen Rostock und Hiddensee / Rügen. Mensch und Natur haben dazu beigetragen, dass diese drei Inseln zu einer Halbinsel zusammengewachsen sind. Reist man von NRW aus an, erreicht man aus Richtung Rostock kommend zunächst Fischland; es ist nur 5 Kilometer lang und verbindet das Festland mit dem Darß. Das relativ kleine Fischland hat ein großes Problem: jedes Jahr nagt die Ostsee an der Westküste. Mit großem Aufwand stabilisiert man die gefährdete Küste. Der abgetragene Sand wird zum Teil weiter nördlich amDarß angeschwemmt. Dort, wo Fischland und Darß in einander übergehen, liegt die Künstlerkolonie Ahrenshoop. Hierher fühlten sich Landschaftsmaler schon vor 1900 angezogen; dafür dürfte es zwei Gründe gegeben haben: die Maler fühlten sich durch das Licht des Ortes inspiriert und sie schätzten die Ruhe dort. Ruhig und idyllisch ist es dort auch heute noch – außerhalb der Hochsaison. Was vielen heutigen Touristen neben der Steilküste positiv auffällt, sind die besonders zahlreichen Häuser mit Reetdächern. Weiter nördlich, auf dem Darß und unweit von Prerow, befindet sich eine der größten Touristenattraktionen der gesamten Halbinsel: der Leuchtturm Darßer Ort. Der 1848 erbaute Leuchtturm sendet auch heute noch sein Licht hinaus auf die Ostsee. Touristen können die gut 130 Stufen bis zur Plattform ersteigen und den Ausblick von dort genießen. Neben dem Leuchtturm können Besucher im Natureum Interessantes über die Natur der Umgebung erfahren. Nur für Besucher des Natureums steht ein Café bereit; sie können sich dort stärken für den Weg zurück nach Prerow; denn den Leuchtturm und das Museum samt Café kann man nicht mit dem Auto erreichen. >>> Foto: Udo Jackenkroll

Fortsetzung Zu diesem besonderen Ort kommen Sie durch den Darßwald, den vor allem Naturliebhaber wegen seiner Ursprünglichkeit schätzen. Der Fußweg führt auch durch ein Moorgebiet. Sichere Holzstege ermöglichen ein bequemes Wandern. Zu Fuß soll man von Prerow aus etwa 75 Minuten brauchen und mit dem Fahrrad etwa 20 Minuten. Man kann allerdings auch mit einer Pferdekutsche oder der Darßbahn fahren. Während die Kutsche von Prerow aus bis zum Leuchtturm fährt, legt die Darßbahn nur einen Teil der Strecke vom Bernsteinweg in Prerow bis zum Leuchtturm zurück. Die restlichen 2,5 km geht man dann zu Fuß. Der Weg ist ausgeschildert und sehr leicht zu finden. Nähere Informationen u. a. zur Bahn und den Kutschen finden Sie hier: https://www.ostseebad-prerow.de/de/tourismus-kurbetrieb/rundfahrten.html. Aktuelle Informationen über die Öffnungszeiten des Leuchtturms und des Museums samt Café finden Sie hier: https://prerow.de/. Dort auf „allgemeine Infos“ klicken. Die Öffnungszeiten des Leuchtturms finden Sie unter dem Buchstaben „L“. In Prerow sehen wir uns noch die Seebrücke an. Dann brechen wir auf in Richtung Zingst, und zwar mit dem Rad; denn ein hervorragend ausgebauter Radweg, der auf einem Damm entlang führt, lädt zum Radeln ein. Zingst, mit 3000 Einwohnern der größte Ort der Halbinsel, bietet gleich zwei Fußgängerzonen: die Strandstraße und die Klosterstraße. Beide verlaufen parallel. Folgt man ihnen nach Norden, kommt man vorbei an einem Seenotrettungsschuppen aus dem Jahr 1873; geht man weiter, kommt man zum Kurhaus mit der Tourismusinformation und dann zum feinsandigen Ostseestrand. Dort fällt einem sofort die Seebrücke mit einer Tauchgondel auf. In ihr kannman in die Ostsee eintauchen; dabei wird ein 3D-Film über die Unterwasserwelt gezeigt. Östlich des Ortes Zingst erstreckt sich ein großes Naturschutzgebiet; wer dorthin möchte, braucht ein Fahrrad. Nähern kann man sich diesem Gebiet aber auch auf eine bequemere Art und Weise: während einer Boddenrundfahrt z. B. ab Prerow oder Zingst. Auch Leute, die schnell seekrank werden, können sich auf solch eine Fahrt einlassen: denn das Wasser zwischen der Halbinsel und dem Festland ist sehr ruhig. In wohl allen Orten zwischen Ahrenshoop und Zinkst fallen Häuser durch ihre bunten Eingangstüren auf. Solche Haustüren gibt es seit dem 18. Jahrhundert. Längst sind sie typisch geworden für die Halbinsel. Die bunten Holztüren sollten aber nicht nur schön aussehen; vor allem sollten sie böse Blicke fernhalten. Heute ziehen sie wohl eher freundliche Blicke auf sich. Udo Jackenkroll Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 5 PERSPEKTIVEN Foto: denfran_Pixabay Foto: Udo Jackenkroll

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 6 PERSPEKTIVEN Ach, du liebe Zeit! – Zeitverständnis und Zeitempfinden „Es gibt Kalender und Uhren, um die Zeit zu messen, aber das will wenig besagen; denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt … Denn Zeit ist Leben.“ (Michael Ende, Momo oder die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die Zeit zurückbrachte). Wenn ein zweijähriges Kind sein Spiel abbrechen muss, weint es und ist nicht zu trösten mit dem Hinweis: „Morgen spielen wir weiter.“ „Morgen“ versteht es nicht, auch „gestern“ nicht. Erst ab dem 3. Lebensjahr entwickelt das Kind ein so genanntes „Stapelgedächtnis“, das Zeitabschnitte zu geordneten zeitlichen Erinnerungen zusammenfügt. Denn unser Gehirn gliedert unser Gegenwartserlebnis in Abschnitte von ca. 3 Sekunden. In Elternhaus, Kindergarten und Schule wird die Bedeutung der „Zeit“ und die mit ihr verbundenen Werte in unserer Gesellschaft vermittelt: pünktlich sein, Wartezeiten ertragen, Pausen nutzen, sich beeilen, keine Zeit verschwenden. Im Laufe der weiteren Lebensspanne werden Zusammenhänge zwischen Zeit, Entfernung und Geschwindigkeit bewusst. Im Erwachsenenalter verändert sich Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftserleben durch emotionale und gesellschaftliche Ereignisse und Erlebnisse. Innere Verfassung, Einstellungen, Motive, Stimmungen beeinflussen unsere Zeitschätzungen in erheblichem Maße. Die Zeit der Pandemie fühlt sich an wie ein Jahrzehnt. War ein zurückliegendes Ereignis vor oder nach dem Lockdown? Einsamkeit und Langeweile dehnen die gefühlte Zeit ins Unermessliche. Die Genauigkeit der Zeitschätzungen nimmt mit dem Alter zu und erreicht ihren Höhepunkt im mittleren Erwachsenenalter. Danach bahnt sich eine Umorientierung an: In höherem Alter rückt „die noch verbleibende Zeit“ ins Bewusstsein. Im Alltag klagen wir oft über Hektik und Beschleunigung. Was uns grad noch gegenwärtig war, Schallplatten, Tapes, CDs, sind längst veraltet, Mode, Musik, Nachrichten, gestern noch aktuell, sind heute „mega-out“. In immer kürzerer Zeit werden immer mehr Informationen verarbeitet und an immer mehr Adressaten gleichzeitig weitergegeben. Der politische Philosoph Hermann Lübbe nannte das „Gegenwartsschrumpfung“. Das war und ist nicht zu allen Zeiten und in allen Kulturen so. In den Hochkulturen des Vorderen Orients herrschte in nomadischen und agrarischen Gesellschaften ein Zeitbewusstsein, das sich an Jahreszeiten, Mond und Sonne und zyklischen Wiederholungen orientierte. In Siedlungen und Städten entstand zunehmend geschäftige Betriebsamkeit und ein entsprechendes Umgehen mit der Zeit. Mit der Verbreitung des Christentums entstand vor allem in der Welt der Klöster ein ritualisierter Tagesablauf nach strengem Stundenplan. Zur Zeitmessung entstanden Sonnenuhren, Wasseruhren, Sanduhren, Kirchturmuhren. In neuzeitlichen Wirtschaftsformen erhält Zeit einen Wert für Produkte und Leistungen. Jetzt wurde Zeit zu Geld. >>> Foto: Wilfried Mars

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 7 PERSPEKTIVEN Fortsetzung Unterschiedlich ist das Zeitbewusstsein in den Weltreligionen. Der jüdische Talmud beginnt mit den Worten „In welcher Zeit?“ Die Thora beginnt mit „ImAnfang war…“. Für Gebete und Rituale gibt es im Judentum vorgeschriebene Zeiten, die Geschichte des jüdischen Volkes wird in Zeitereignissen dokumentiert. Die oben schon erwähnten Zeitvorstellungen in Klöstern des Christentums gehen zurück auf die im Judentum. Hinzu kommt der im Neuen Testament genannte „Jüngste Tag“, eine Zukunftsbezogenheit, die Anfang und Ende des Reiches Gottes benennt, der selbst ewig ist. Das verlangt Wohlverhalten in der Lebenszeit, um Erlösung und ewiges Leben nach dem Tod zu erlangen. Zukunftsbezogenheit war den Religionen im Orient fremd. In der buddhistischen und hinduistischen Vorstellung ist die Zeit nicht begrenzt. Die Gläubigen gehen davon aus, dass dem Entstehen und Vergehen der einen Welt wieder eine neueWelt folgt und so fort. In diesem Zeitverständnis ist kein Platz für Uhren und Zeiten. Auch dem orthodoxen Muslim kann nicht vermittelt werden, dass Zeit sehr kostbar ist und genutzt werden muss. Nicht der Mensch, sondern Allah entscheidet über die Zukunft. Die aus den Religionen und Kulturen abgeleiteten Zeitverständnisse verlieren in der globalisierten „Zeit ist Geld Gesellschaft“ an Gültigkeit und Wert. Verschwendete Zeit ist verschwendetes Geld. Zunehmende Geschwindigkeit verkleinert das, was als „Gegenwart“ empfunden wird. Sinnvoller und verantwortungsvoller Umgang mit der Zeit ist im Berufsleben ohne Zeitmanagement nicht mehr zu leisten. Das widerspricht dem gesunden biologischen Rhythmus des Menschen und führt nicht selten zu Stress: Der eine empfindet die Zeit als sinnentleert und bedeutungslos und vermag keine Ordnung in sein Leben zu bringen, der andere neigt zu Hektik und hat nie Zeit. Ein weiterer wird unfähig, eigene Zeitstrukturen zu setzen, schließlich plant ein anderer überstrukturiert und zwanghaft alle Details seines Alltags. Spätestens mit Erreichen der Lichtgeschwindigkeit dürfte die Ära der Beschleunigungen beendet sein. Ein naturgemäßer Umgang mit der Zeit ermöglicht Räume für Innovation und Kreativität, soziales Miteinander und Gesundheit. Der alte Straßenkehrer Beppo verrät seiner Freundin Momo sein Geheimnis. Das ist so: „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“ Beppo Lippold Fotos: Wilfried Mars

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 8 PERSPEKTIVEN Wandernmit dem Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) Eine Wanderung mit dem SGV wollte ich immer schon mal machen. Schließlich kann man da auch als Gast mitkommen. Ich blättere also im Jahresheft. „Lieblingswanderung“ steht da für den kommenden Sonntag. Hört sich interessant an, und auch nach einer Überraschung. Zwei Schuhe sind daneben abgebildet. Das heißt: Nicht ganz leicht, aber auch nicht superschwer. Also anspruchsvoll, aber zu schaffen. Auch für einen alter Knacker wie mich? Ein Anruf bei Marlies beruhigt mich: Es wandert auch ein Mann mit, der gut zehn Jahre älter ist als ich. Da kann ich mich natürlich nicht mehr drücken. Um 9 Uhr ist das Treffen an der Stadthalle. Ich bin gespannt. Tatsächlich erscheinen pünktlich gut ein Dutzend Menschen mit kleinen Rucksäcken. Das müssen sie also sein. Schnell wird klar, es ist eine tolle Gruppe, fröhlich, gut gelaunt. Und so werde auch ich als Neuling beziehungsweise Gast herzlich willkommen geheißen. Wo es denn hingeht, will ich wissen. „Lass dich überraschen“, erhalte ich zur Antwort. „Du wirst sehen, es wird sich gelohnt haben.“ Die Gruppe wird auf Autos verteilt. Ein Bulli ist dabei, so dass wir mit drei Autos auskommen. Und schon geht es los. Nach Holzwickede. Das überrascht mich doch. Kenne den Ort eigentlich nur als Flughafen, von dem ich immer meine englischen Freunde abgeholt habe. Sölderholz heißt der Ortsteil, vor Edeka kann man gut parken. Zwei Wanderfreundinnen aus Unna warten bereits. Nun sind wir 14. Es ist Weißer Sonntag, viele sind mit der Erstkommunion beschäftigt, sonst sind durchaus mehr da. Für mich gut. Dann muss ich mir nicht so viele Namen merken. Es geht auch gleich los. Schon nach wenigen Minuten haben wir das kleine Örtchen verlassen und wandern über einen lang gestreckten Wiesenweg in den Wald. Bin völlig überrascht. So nah an Dortmund, und der Wald hört gar nicht mehr auf. Einer Markierung folgen wir nicht, die Truppe hat den Weg selber zusammengestellt. Eigentlich wollte ich eine Beschreibung des Weges machen, den Vorsatz gebe ich aber nach diversen Abbiegungen auf den Waldwegen wieder auf. „Ist auch nicht nötig“, erklärt mir Marlies, „ich schicke dir die Beschreibung per Internet auf deinen Rechner.“ Eine Schweißperle weniger. Apropos Schweißperlen: Die Sonne strahlt vom klaren blauen Himmel, selbst im Wald ist es angenehm warm, meine Lederjacke hätte ich nicht wirklich gebraucht. Da muss ich jetzt durch. >>> Fotos: Otti Haupt

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 9 PERSPEKTIVEN Fortsetzung Es ist herrlich, das frische Grün der Bäume zu betrachten. Und Zeit und Kilometer verfliegen schnell, denn es gibt eine Menge Unterhaltungen. Aktuelle Themen sind ja reichlich vorhanden: Der Krieg in der Ukraine, Klima, Natur, Covid, alles wird angesprochen. Und plötzlich ist der Wald zu Ende, einige Häuser tauchen auf, es geht über eine Eisenbahnbrücke, durch eine schmucke Siedlung und wir sind da. Graf-Diederich-Straße in Schwerte. Sagte mir bis jetzt nichts, aber dann die Überraschung: Eine lang gestreckte Straße, beidseitig mit japanischer Kirsche geschmückt, deren Blüten dicht an dicht die ganze Straße hinunter in der Sonne leuchten. Hatte ich schon mal im Fernsehen gesehen, in Bonn. Dass wir das auch in nur 35 Kilometern Entfernung hier haben, habe ich nicht gewusst, und mir wird sofort klar, warum im Heft „Lieblingswanderung“ stand. Staunend gehe ich die Straße entlang. Rechts, links und über mir alles voller roter Kirschblüten, ein leichter Wind weht einzelne Blüten von den Bäumen, es ist, als ob es schneit. So etwas Schönes habe ich lange nicht mehr gesehen. Schwerte feiert hier jährlich ein dreitägiges Kirschblütenfest, das beginnt aber immer erst amNachmittag. Wir sind zu früh, sehen nur die Bühne und einzelne noch geschlossene Verkaufsstände und die Schweinwerfer, die die Bäume abends anstrahlen. Klar, dass wir hier Pause machen, trinken und die mitgebrachten Brote verzehren. Irgendwann der Ruf. „Es geht weiter!“ Ich will eigentlich gar nicht weg. Muss mich aber der Gruppe beugen. Also auf einem anderen Weg zurück zum Auto. Der Hinweg war gar nicht so schwer, wie ich dachte. Das bekam ich jetzt auf dem Rückweg zu spüren: Hin war es nämlich hauptsächlich bergab gegangen, zurück ist es jetzt deutlich anstrengender, zumindest für mich. Aber damit bin ich nicht allein, was man schnell daran erkennt, dass sich die Gruppe jetzt ganz schön in die Länge zieht. Gut 14 Kilometer sind wir gewandert, aber ich möchte keinen davon missen. Es war einfach nur schön. Otti Haupt

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 10 PERSPEKTIVEN Kräuter kennenlernen – wofür ist welche Pflanze gut? Zur Erholung und Entspannung ist Bewegen an der frischen Luft eine allseits beliebte Art der Freizeitgestaltung. Es mag mit dem Fahrrad, joggen, wandern, ein Spaziergang oder nur ein Aufenthalt im Grünen sein. Unsere Wahrnehmungmag auf ein Ziel, auf Training, Leistungsfähigkeit, Kommunikation, Kennenlernen der Umgebung oder einfach durchatmen und zu sich kommen ausgerichtet sein. Je nach Alter, beruflicher Tätigkeit, Interessen und körperlicher Konstitution sind unsere Sinneseindrücke eben sehr unterschiedlich. Wenn mehrere Menschen einen gleichenWeg kurz beschreiben sollen, ist es spannend, welch unterschiedliche Orientierungspunkte angeführt werden. Oder, falls sie als Eltern oder Großeltern mit Kindern unterwegs sind, ist es spannend, was die Kleinen unterwegs alles sehen und was für sie wichtig ist. Erinnern Sie sich noch an das, was für Sie im Laufe der Zeit alles bedeutsam war? In meiner Kindheit liebte ich neben landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Geräten und den Tieren besonders die Vielfalt der bunten Blumenwiesen vor der Heuernte. Einige besonders schöne Blumen, die üblicherweise als Unkräuter bezeichnet werden, habe ich im Gemüsegarten vor dem Haus angesiedelt. Nun, meine Berufswahl war später Gärtner. In der Agrarwirtschaft wird im Allgemeinen nach erwünscht und unerwünscht gewertet. Das betrifft nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Tiere und Insekten. Die Folge davon sind die Monokulturen, die in der Landwirtschaft immer mehr zugenommen haben, selbst in den Hausgärten wurde dieser Trend zum Beispiel mit „englischem Rasen“ übernommen. Auf die Spitze getrieben wird dies mit Schottergärten, die angeblich keiner Pflege bedürfen. Das Bedürfnis „zurück zur Natur“ ist nie völlig eingeschlafen, besonders städtische Bewohner lieben den Urlaub auf dem Lande. Ein Schrebergarten am Stadtrand in grüner Umgebung wird als sehr förderlich für die Gesundheit angesehen. Ärzte und Chemiker suchten nachweislich schon seit der Antike nach pflanzlichen Wirkstoffen zur Gesunderhaltung und Heilung. Auf den Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann (1755-1843), möchte ich besonders hinweisen. Seit 1848 können Arzneimittel synthetisch hergestellt werden, natürliche Mittel wurden seither immer weniger beachtet. Dies änderte sich etwa ab 1970. Frau Maria Treben ist bestimmt einigen Lesern bekannt. Sie berichtete über phantastische Heilerfolge in dem Buch „Heilkräuter aus der Apotheke Gottes.“ Frau Veronika Carstens hat sich als Ärztin gemeinsam mit dem damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens wissenschaftlich mit der Gründung des Vereins „Natur und Medizin“ dieser Thematik angenommen. In der Mitgliederzeitschrift gibt es regelmäßig Informationen zu aktuellen Themen und Forschungen. Mein Anliegen ist es, Pflanzen bekannt zumachen. Im Internet gibt es Apps und umfassende Informationen. Doch sie bei einemSpaziergang an Standorten in der Natur zu finden und Vergleiche mit ähnlichen Pflanzen zu sehen, erweitert das Wissen und gibt Sicherheit bei der Bestimmung. Unter anderem bietet die Engagementförderung Arnsberg solche Wanderungen unter meiner Leitung an. >>> Foto: andreas160578_Pixabay

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 11 PERSPEKTIVEN Fortsetzung Inzwischen habe ich Teilnehmer mit umfangreichem Wissen, die ihrerseits zu einer Bereicherung an Informationen beitragen. Die Natur ist nichts Statisches, sie ist ein Werden und Vergehen. Pflanzen verändern besonders im Frühling in kurzer Zeit ihr Aussehen. Wir können sie auch nicht zu jeder Jahreszeit und von jedem Standort für uns nutzen. Dies und einiges mehr erfahren Sie unter anderem bei unseren Kräuterwanderungen. Bei Ihrem nächsten Spaziergang oder mit Blick in Ihren Garten werden Sie bestimmt aufmerksam auf die verschiedenen Gewächse, die Sie entdecken können. Auf dem Foto sind unterschiedliche Pflanzen aus unserer Umgebung abgebildet. Welche davon kennen Sie und wissen Sie möglicherweise auch, wozu diese benutzt werden können oder welche Wirkung ihnen nachgesagt wird? Schreiben Sie uns gerne Ihre Eindrücke und Ideen. Johann Eggenhofer Foto: Johann Eggenhofer sicher aussteigen bazuba Fachbetrieb Werl www.bazuba.de Ohne aufwendige Umbauarbeiten zu Ihrer barrierearmen Badewanne. Kostenlose Beratung: 02922-9278856 MeineWannentür® bequem einsteigen IHRE VORTEILE Niedriger Einstieg Kostengünstiger Einbau in nur 1 Tag Keine neue Badewanne erforderlich Mit Wannenlift kombinierbar 5 Jahre Garantie Bereits über 2.500 Wannentüren eingebaut SAUBER • BARRIEREARM • PFLEGELEICHT

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 12 PERSPEKTIVEN Der gesunde Darm – Was kann ich tun? Die Verdauung von Nahrung beginnt bereits im Mund mit dem Kauen und dem Speichel. Durch Kauen und Speichel wird die Nahrung aufgeschlossen. Sie gelangt durch die Speiseröhre in den Magen-Darm-Trakt. Dort wird sie mithilfe von Verdauungssäften und durch gesunde Darmbakterien, die Darmflora, zu einem Nahrungsbrei verarbeitet. Dabei spielen drei Organe eine wichtige Rolle als „Zulieferer“ des MagenDarm-Traktes: Es sind Leber, Gallenblase und die Bauchspeicheldrüse. Diese geben Verdauungssäfte in den Zwölffingerdarm ab, der sich dem Magenausgang als Beginn des Dünndarms anschließt. Die Leber leistet einen großen Teil der Verdauungsarbeit: sie ist Speicherorgan für Glucose, Eiweiße und Botenstoffe und dient der Kontrolle des Blutes als Entgiftungsorgan, denn die Leber filtert Schadstoffe aus dem Blut. Im Dünndarm wird ein wichtiger Teil der Nährstoffe aufgenommen: Wasser, Elektrolyte (zum Beispiel Natrium, Chlor, Kalium, Calcium...) und Vitamine. Für die Verdauungsarbeit benötigt der Dünndarm vor allem Zotten als Ausstülpungen der Schleimhaut. Durch sie und durch eine zusätzliche Überkleidung der Zotten wird die Oberfläche des Darms um ca. das Hundertfache vergrößert. Der Nahrungsbrei geht weiter in den Dickdarm. Damit dieser Teil des Darms die Ausscheidung gut vorbereiten kann, brauchen wir in der täglichen Nahrung Ballaststoffe und – sehr wichtig – eine Trinkmenge von 2 bis 2,5 Litern pro Tag. Zusammen bewirken sie die Geschmeidigkeit des Stuhls. Die hauptsächlichen Störungen im Verdauungsprozess entstehen durch Mangel an Magensäure und Verdauungsenzymen und durch eine Fehlbesiedlung des Darms durch krankmachende Bakterien, Viren und Pilze. Der durchlässige Darm In den letzten Jahren erst stellte sich heraus, dass es einen sogenannten „löchrigen Darm“ gibt. Diese komplexe Störung besteht darin, dass die „Schleusen“ der Darmwand offenstehen und durchlässig werden für Schadstoffe wie schädliche Bakterien, Viren, Hefepilze, Parasiten und unverdauliche Nahrungsbestandteile. Diese Schadstoffe können durch einen löchrigen Darm ins Blut gelangen und im ganzen Körper eine Vergiftung hervorrufen. Es kommt zu schweren Störungen des Immunsystems im Darm und zu gesteigerter Immunreaktion. Diese äußert sich in Entzündungen. Eine Folge sind Energieverlust, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Migräne und eine „Nichtvertäglichkeit“ körpereigenen Gewebes, auch als Autoimmunerkrankung bezeichnet. Hierfür stehen beispielhaft die rheumatischen Erkrankungen und eine chronische Darmentzündung: Morbus Crohn, eine vorwiegend im Übergangsbereich Dünndarm–Dickdarm auftretende Entzündung. >>> Bild: Digestive_system_diagram_de.svg

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 13 PERSPEKTIVEN Fortsetzung Als Ursachen für diese schwere Darmschleimhautentzündung gilt neben den oben genannten Schadstoffen zusätzlich eine gestörte Darmflora. Auch bestimmte Medikamente, wie Schmerzmittel und Antibiotika sowie Alkohol, Zucker und Süßstoffe können die Schleimhaut schädigen. Als sehr wichtige Folge der geschilderten Entzündungen leiden viele Menschen unter einer Dauermüdigkeit. In ihrem Buch „Energy“ (dtv 2021) geht Dr. Anne Fleck auf die mögliche Heilung vor allem der Dauermüdigkeit ein. Unter ihr leiden viele Menschen. Verdauungshelfer Das Kauen und der Speichel schließen zusammen die Nahrung auf, damit sie besser verträglich und verdaut wird. Dieses hilft gegen das unangenehme Völlegefühl nach einem Schnellgericht (Fastfood) und unterstützt besonders die gesunden Darmbakterien. Andere Helfer des Verdauungsablaufs sind Enzyme; sie werden in der Bauchspeicheldrüse gebildet und dem Verdauungsbrei im Dünndarm hinzugefügt. Enzyme unterstützen die Verwertung der Nahrung. Papaya und Ananas enthalten Enzyme. Außerdem gibt es medikamentöse Verdauungsenzyme; sie können zum Beispiel Sodbrennen lindern. Weitere Helfer sind Bitterstoffe, die in Salaten, Chicorée, Löwenzahn und in bitteremGemüse, Artischocken und Meerrettich enthalten sind. Für die Fettverdauung ist Löwenzahntee sehr nützlich. Sie können ihn mit Brennnesseltee sehr gut kombinieren. Beide zusammen dienen auch der Entgiftung. Hilfreich bei der Reparatur der Darmschleimhaut und dem Aufbau der Zotten sind u. a. Glutamin und Zink sowie Curcumin (Bestandteil des Curcumas). Alle drei Substanzen unterstützen den Aufbau der Darmschleimhaut und wirken entzündungshemmend. Kurkuma ist als schmackhaftes Gewürz eine Nahrungsverfeinerung. Auch Probiotika („ein Stoff für das Leben“) unterstützen die gesunden Darmbakterien. Als Fertigpräparate gibt es Probiotika in Kapselund in Pulverform. In unserer Nahrung sind Probiotika im frischen Sauerkraut, Miso und Kimchi enthalten. Auch Ballaststoffe fördern die Verdauung und können einen trägen Stuhlgang verhindern. Enthalten sind Ballaststoffe in rohem Obst, Salaten und Gemüse. Besonders bewährt hat sich Stärke; wird sie erhitzt und danach abgekühlt gegessen, ist sie sehr nützlich in erkaltetem Reis (Sushi) oder in Kartoffeln. Dr. Bernd Böggering Foto: wortschaum_Pixabay Foto: ExplorerBob_Pixabay

Aktiv im Alter – die Vier vom Klöncafé Wo treffen wir uns? Klar, im Klöncafé im Treffpunkt gegenüber der Moschee. Heute also keine Vorstellung einer Einzelperson, sondern gleich vier aktive Frauen auf einen Schlag. Da ist erst einmal Ulla Höppe. Gelernte Kinderkrankenschwester, ursprünglich in der Elisabeth Kinderklinik in Hamm. Damals noch unter der Leitung von Nonnen. Alles deutlich strenger als heute, sie selbst musste ihre üppige Haarpracht unter einer Haube zusammenbinden, was gar nicht so einfach war, und die Haare lagen anschließend auch nicht mehr so, wie sie sollten. Dann der Umzug ins EVK und Arbeit im Funktionsdienst beim Kinderneurologen in der Ambulanz. Ein Schwerpunkt: Gehirnströme messen. Dann auf einmal altersbedingt Rentnerin. Was macht man da? Stricken, Gartenarbeit, alles gut und schön, aber bei weitem nicht ausreichend. Bei einem Infonachmittag im Treffpunkt Lust zur Mitarbeit bekommen. Wozu sie Lust hätte? Das Klöncafé würde ihr gefallen. Gesagt, getan, schon kann man bei ihr mittwochsnachmittags für kleines Geld eine Waffel und einen Kaffee bekommen. Dabei geht es aber nicht nur um das Kaffeetrinken, wichtiger ist das Treffen von Menschen, die dort einfach einen schönen unterhaltsamen Nachmittag verbringen können. Und auch, wenn einmal imMonat das Reparaturcafé seine Tore öffnet, gibt es für die Wartenden Kaffee und Waffeln. Natürlich ist sie nicht allein. Ihr zur Seite steht zum Beispiel Doris Sertel. Ursprünglich Arzthelferin, wechselte sie dann in den medizinischen Dienst der Krankenversicherung. Nach der Verrentung erst einmal alles getan, was sie schon immer tun wollte und nicht dazu gekommen ist, zum Beispiel nach dem Frühstück einfachmal eine Stunde mit einem guten Buch verbringen. Aber irgendwie hatte der Tag mehr Stunden. Also noch einmal eine Ausbildung machen in Arnsberg: Seniorentrainerin. Hut ab! Und die Zusatzqualifikation war einfach super. Tolle Leute, methodisch klasse aufgearbeitet und selber viel gelernt. Und so kam sie zum Treffpunkt, wo sie eine ihrer Leidenschaften einsetzen konnte: Kochen. So organisierte sie den Frühstücks- und Kaffeesonntag. Lief prima an, aber dann kam Corona und wie überall brach auch dieses Projekt zusammen. Daher dann der Schwenk zum Klöncafé, wo sie sich weiterhin ehrenamtlich einbringen konnte mit sinnvoller Tätigkeit. >>> Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 14 PERSPEKTIVEN Foto: Treffpunkt Fotos: cocozi_Pixabay

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 15 PERSPEKTIVEN Fortsetzung Und um auch im Kopf fit zu bleiben, ist sie jeden Dienstag eine Stunde beim Gedächtnistraining dabei. Bei Engpässen auch schon mal als Trainerin. Wünschen wir ihr, dass sie noch lange fit bleibt. Die Dritte im Quartett ist Marie-Luise König. Gelernte Arzthelferin bei einem Augenarzt, wechselte dann nach einem Mutterschaftsurlaub zu einem Zahnarzt. Ein komplett neuer Beruf. Jede Menge Fortbildungen, Augen und Zähne haben nun mal wenig miteinander zu tun. Auch hier - wie bei allen - irgendwann die Verrentung. Da will man, wenn man immer voll im Arbeitsleben gestanden hat, natürlich fit bleiben. 2 bis 3 Mal proWoche lockt sie das Firnessstudio, Schwerpunkt Arm-, Bauch- und Rückentraining. Und weil ihr Chef sie ungern gehen ließ, fragte er an, ob sie nicht wenigstens zwei Mal pro Woche noch bei ihm arbeiten wollte. Gibt es ein schöneres Kompliment von einem Chef? Klar sagte sie zu. Aber ein wenig ehrenamtlich arbeiten wollte sie trotzdem noch. Und da bot sich das Klöncafé an. Fehlt jetzt noch Christa Maibaum, die Vierte im Bunde. Beruf? Klar, Arzthelferin. Klingt schon so, als sei das eine Voraussetzung für die Mitarbeit imKlöncafé. Ist es aber durchaus nicht. 30 Jahre in Soest in der Praxis gearbeitet, dann zum Marienkrankenhaus gewechselt, erst in der Ambulanz gewirkt, später Sekretärin beim Chefarzt, nebenbei auch noch Arbeitsunfälle bearbeitet bei der Berufsgenossenschaft. Nach drei Monaten als Rentnerin fiel ihr so langsam die Decke auf den Kopf. Irgendetwas musste sie tun. Zurück zum Marienkrankenhaus, wo sie seitdem wieder stundenweise arbeitet. Auch sie wurde gefragt, ob sie dazu nicht Lust und Zeit hätte. Dieses Zeichen der Wertschätzung ihrer Person und ihrer Arbeit ist einfach toll und findet man nicht überall. Durch eine Zeitungsannonce kam sie zum Klöncafé. Das Konzept passte: Ehrenamtstätigkeit, Nachhaltigkeit und vor allem ein tolles Team. Da konnte sie nur ja sagen. Übrigens kann jeder Mensch zum Klöncafé gehen, unabhängig vom Alter, Geschlecht, Religion etc. Hier gibt es einfach einen bunten Mix von Leuten, man findet immer jemanden zum Klönen, es ist aktives Leben. Und wenn noch jemand mithelfen will: Für jeden und jede findet sich eine Möglichkeit in dem vielfältigen Angebot des Treffpunkts, sich zu engagieren. Oder vielleicht ganz neue Ideen einzubringen. Otti Haupt Foto: Otti Haupt

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 16 PERSPEKTIVEN „Wenn zwei sich streiten…“ – über das gemeindliche Schiedswesen Eigentlich ist das Leben viel zu kurz, um es mit Ärger und Streit zu verbringen. Stimmt, sagte mein Freund und Nachbar, mit dem ich seit Jahrzehnten in Frieden lebe. Aber es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn ein böser Nachbar ihn beständig ärgert. Und er erzählte mir von einem Freund im Nachbarort, dessen Terrasse vom nah an der Grenze stehenden Baum seines Nachbarn verdunkelt werde. Und im Herbst wehe der Wind alles Laub auf seine Terrasse. Reden die denn nicht miteinander, fragte ich ihn. Doch, bestätigte mein Freund, aber der Nachbar beschimpfe ihn und nenne ihn einen kranken Trottel. Was tun? Den Ärger in sich hineinfressen und darüber krank werden? Es gibt Lösungen: Wenn zwei sich streiten, kann ein Dritter helfen. Bevor Anwälte und Gerichte bemüht und bezahlt werden, gibt es die Pflicht zur vorherigen außergerichtlichen Streitbeilegung. Gerade wenn es um weniger bedeutsame strafrechtliche oder zivilrechtliche Angelegenheiten geht, hilft das gemeindliche Schiedswesen. Ehrenamtlich tätige Schlichterinnen und Schlichter sind bei uns die Schiedsfrauen und Schiedsmänner. In der Stadt Werl gibt es eine Schiedsfrau und zwei Schiedsmänner, die für je einen Schiedsamtsbezirk zuständig sind. Einer ist Peter Lehmann. Seit 25 Jahren schlichtet er Streitigkeiten. Ich treffe ihn im städtischen Museum Haus Rykenberg. Hier hat er heute Dienst, Peter Lehmann ist in vielen Vereinen aktiv. Aktiv heißt für ihn, im Einsatz zu sein für seine Mitmenschen. So hat er auch nach intensiver Überlegung zugesagt, als er darum gebeten wurde, sich als Schiedsmann zu betätigen. Gern und mit Begeisterung gibt er Auskunft über das Schiedswesen. Als erstes: „Der Sessel, in dem ich hier sitze, mag aussehen wie ein Richterstuhl. Ein Richter ist der Schiedsmann aber nicht!“ Er moderiere das Gespräch der Streitparteien, die sich an ihn gewendet haben. Schiedsleute entscheiden nicht, sie versuchen die Parteien zur Einigung zu bewegen. Doch mal der Reihe nach: Wenn der oben vonmir genannte Freund sich an die Polizei oder das Ordnungsamt wendet, wird er in der Regel an die Schiedsfrau oder den Schiedsmann in seinem Bezirk verwiesen. Bei der Schiedsperson ist schriftlich ein Antrag auf eine Schlichtungsverhandlung zu stellen. Dabei müssen Namen, Vornamen und Anschrift der Gegenpartei genannt werden. Auch Anlass des Streites und angestrebtes Ziel der Schlichtung sollen beschrieben werden. Gleichzeitig wird ein Vorschuss von 40 € fällig. Die Schiedsperson lädt beide Streitparteien zum Gespräch ins Rathaus, das einen Raum vorhält, oder zu sich nach Hause ein. Bringt jemand einen Anwalt mit, muss er den in jedem Falle selbst bezahlen. >>> Fotos: Wilfried Mars

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 17 PERSPEKTIVEN Fortsetzung Das Gespräch dient zunächst zur Klärung des Sachverhalts. Peter Lehmann betont, dass es darauf ankomme, dass jeder Streitende Situation und Verhaltensmotive des anderen erfahre und sich damit auseinandersetze. Das ist die Grundlage für den nächsten Schritt, selbst Lösungen für das Problem anzubieten. Das Ziel der Verhandlung ist ein Vergleich. Peter Lehmann ist immer sehr erfreut darüber, wenn es gelingt, verfeindete Nachbarn wieder zu einem normalen nachbarschaftlichen Verhältnis zu bringen. Die Schlichtung ist nicht öffentlich und die Schiedsperson zur Verschwiegenheit verpflichtet. Ein in einem Schiedsverfahren abgeschlossener Vergleich ist ein so genannter „vollstreckbarer Titel“ nach der Zivilprozessordnung und kann dreißig Jahre lang vollstreckt werden. Bei erfolglosen Schlichtungsverfahren erhält der Antragsteller bei Zivilsachen eine Erfolglosigkeitsbescheinigung. Bei Strafsachen gibt es eine Sühnebescheinigung. Damit ist der Weg frei für eine Klage vor dem Amtsgericht. Das Schlichtungsverfahren kostet bei Einigung 25 €, bei Erfolglosigkeit 10 €. Bei aller Neutralität ist Peter Lehmann betroffen, wenn er sieht, dass ein Teilnehmer des Verfahrens sehr unter der Streitsache leidet. Wenn beim Streitgegner keine Empathie erkennbar ist, ist ruhige und geschickte Gesprächsführung gefragt. Die Schiedsleute in Werl treffen sich regelmäßig, um sich auszutauschen und zu unterstützen. Darüber hinaus hat Peter Lehmann an vielen Fortbildungsveranstaltungen und Seminaren teilgenommen. Nun geht seine Amtszeit dem Ende zu. Wahrscheinlich wird die Stadtverwaltung die Stelle ausschreiben. Wer Schiedsfrau oder Schiedsmann werden möchte, muss keine juristischen Kenntnisse vorweisen. Er oder sie muss mindestens 30 Jahre alt sein, aus gesicherten Verhältnissen kommen und im Bezirk wohnen. Natürlich muss sie oder er die erforderlichen intellektuellen, sozialen und psychologischen Fähigkeiten haben und Freude daran, sich für ein friedliches Miteinander der Menschen einzusetzen. Peter Lehmann blickt auf 25 Jahre erfolgreiche Schlichtungstätigkeit zurück, die ihn geprägt hat. Das Gespräch mit ihm hat erkennen lassen, in welch freundlicher und den Gesprächspartnern zugewandter Atmosphäre Streit überwunden werden kann. Beppo Lippold

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 18 PERSPEKTIVEN Foto: Wilfried Mars „Latschen und Tratschen“ – Spaziergänge mit Unterhaltung Jetzt hat endlich begonnen, was schon 2020 vom Seniorenforum der Wallfahrtsstadt Werl in Kooperationmit demKreisSportBund Soest e.V. auf den Weg gebracht werden sollte: das neue Angebot „Latschen und Tratschen“. Der Startschuss fiel am 19. Mai 2022. Zukünftig werden die leichten Spaziergänge zweimal monatlich, jeweils am 1. und 3. Donnerstag angeboten. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Wer kommt, gehört dazu. Eingeladen sind alle älteren Menschen, die sich gerne an der frischen Luft bewegen und somit etwas für ihre Gesundheit tun möchten. Ob mit oder ohne Rollator, Rollstuhl oder Gehhilfe, alle sind dabei willkommen! Neue Kontakte entstehen, man hört „Aktuelles“ und nimmt am Leben außerhalb der eigenen vier Wände teil. Was gibt es Schöneres? Hierzu Nadine Schmidt vom KSB: „Das ist ein Angebot auch für diejenigen, die nicht allein gehen möchten. So können die sozialen Kontakte und Interessen gepflegt werden“. Begleitet wird die Gruppe von sechs ehrenamtlichen Spazierpatinnen und Spazierpaten: Dieter und Heidrun Buschulte, Thomas und Petra Löer, Rut Studhof und Elvira Biekmann sind an jedem 1. und 3. Donnerstag im Monat dabei, den 30- bis 45-minütigen Spaziergang zu begleiten. „Selbstverständlich nehmen wir auf den jeweiligen Gesundheitszustand der Teilnehmenden Rücksicht. Wir suchen gut begehbare Wege aus. Bei den ersten Spaziergängen wird sich alles auf die Stadtmitte beziehen“, so die Ehrenamtler. Kleine „Anekdötchen“ werden dabei am Rande mit einfließen und etwas „Getratsche“ muss ja schließlich auch sein. Also: Runter vom Sofa, „Latschen und Tratschen“ beginnt. Wer möchte, kann sich nach dem kleinen Rundgang noch in einem der Cafés mit den Spazierpaten ein Tässchen Kaffee gönnen und den Plausch fortführen. Ein leckeres Stückchen Kuchen spricht für sich und erfreut dabei den Gaumen und die Seele. Projektflyer liegen bei der Stadtinformation, der Stadtbücherei, dem Treffpunkt und an weiteren Stellen aus. Die Termine werden in der Tageszeitung, im Stadtanzeiger sowie unter www.werl.de bekannt gegeben. Geplant ist, „Latschen und Tratschen“ auch in weiteren Stadtgebieten sowie in den Ortsteilen anzubieten. Hierfür werden noch Spazierpaten gesucht. Weitere Auskünfte hierzu erteilt das Seniorenforum der Wallfahrtsstadt Werl, Angelika Bechheim-Kanthak unter 02922 / 8005014. Elvira Biekmann

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 19 PERSPEKTIVEN Sport und Bewegung für Ältere fördern Der KreisSportBund Soest e.V. ist die Dachorganisation von rund 400 aktiven Sportvereinen im Kreis Soest. Rund 100.000 der 300 000 Einwohner des Kreises sind Mitglied eines Sportvereins. Der KreisSportBund möchte das Sprachrohr aller im Kreis Soest organisierten Sportlerinnen und Sportler sein und sich in enger Zusammenarbeit mit den Gemeindeund Stadtsportverbänden engagiert und nachhaltig für sie einsetzen. Dazu gehören selbstverständlich auch die älteren Aktiven, denn die Zahl der älteren Menschen und auch hochaltrigen (80+) nimmt zu. Vor demHintergrund dieses demographischen Wandels gewinnen bedarfsgerechte sportliche Angebote rund ums Älter werden stetig an Bedeutung. Denn Bewegung und Sport sind ein unverzichtbarer Bestandteil der gesunden Lebensführung und wichtig für eine gute Lebensqualität im Alter. Sportliche Aktivitäten vermitteln zudem Spaß, mentale Stärke, soziale Kontakte und Lebensfreude. Während es in Kindheit und Jugend darauf ankommt, die motorischen und sozialen Kompetenzen zu entwickeln, geht es in der Lebensphase des Alters verstärkt darum, vorhandene Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten und einem vorzeitigen Abbau entgegenzuwirken. Dabei bleiben Sportmotive, die für Jüngere gelten, auch im höheren Lebensalter wirksam. Auch für Ältere sind Aspekte wie „körperlich in Form zu bleiben“, „etwas für die Figur zu tun“ oder „leistungsfähig zu bleiben“ Grund zum Sporttreiben. Mit demProgramm „Bewegt ÄLTER werden in NRW!“ stellt der KreisSportBund Soest e.V. die ältere Generation in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit den Sportvereinen sowie den Stadt- und Gemeindesportverbänden und den Fachschaften werden spezielle Sport- und Bewegungsangebote entwickelt, die zu einem aktiven und gesunden Leben bis ins hohe Alter beitragen können. Da alle in jeder Lebensphase älter werden, nicht erst im Seniorenalter, ist Bestandteil des Programms deshalb in Soest neben der älteren Generation auch bereits die Zielgruppe 30+. Mit dem Programm „Bewegt ÄLTER werden in NRW!“ verfolgt der KreisSportBund die Ziele: � für die Unverzichtbarkeit von Bewegung und Sport auch beim ÄLTER werden ein öffentliches Bewusstsein zu schaffen � Entscheidungsträger in Politik, Sport und Gesellschaft für das Thema zu sensibilisieren und � bedarfsgerechte regionale Angebote für die ältere Generation zu entwickeln und umzusetzen. Hierfür entwickelt der Landessportbund NRW gemeinsam mit den Sportverbändenund vereinen spezielle Sport- und Bewegungsangebote, die zu einem aktiven und gesunden Leben bis ins hohe Alter beitragen können. AngelikaBechheim-Kanthak für Ihre fachkundige Hilfe im Haushalt, privat & gewerblich. Wir kommen regelmäßig, auch einmalig, und übernehmen Ihre Reinigungsarbeiten. Tel. 0 23 85/ 474 47 52 Marsha’s Hauswichtel Service Eine Dienstleistung von: GDS GmbH Reinigung aller Oberflächen, Feuchtreinigung und Staubwischen Sanitärreinigung, Fliesen, Spiegel, Duschkabinen und Armaturen Reinigen von Türen und Zargen Staubsaugen und Wischen Küchenreinigung außen und auf Wunsch auch in den Schränken Reinigung von Balkonen, Treppenhäusern und Kellern Hauswirtschaftlliche Angebote nach §45a SGB XI Seit 2011

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 20 PERSPEKTIVEN Krötenwanderung – Tierfreunde im Einsatz Zu Fuß mache ich mich auf nach Westuffeln. Ein wunderschöner Sonnentag, ich genieße den Spaziergang. Ziel: Der Westuffeler Teich, wo eine Gruppe umwelt- und tierliebender Menschen sich um die Sicherheit von Kröten und ihrer Wanderung kümmern soll. Und wirklich treffe ich kurz vor dem Teich ca. 20 Leute, bewaffnet mit Spaten, Eimern, Zaunelementen und Fixierstangen. „Falsches Werkzeug“, werde ich freundlich empfangen mit Blick auf die Kamera, die vor meiner Brust baumelt. „Wo sind Handschuhe und Spaten?“ Hätte ich wirklich mitbringen sollen, ich Dummkopf. Petra Stein, Steffi Steinweg und Sonja Skibba teilen die fleißigen Helferinnen und Helfer ein. Auch einige Kinder im Kindergartenalter sind dabei, klar, dass auch sie kleine Spaten mit haben. Ich komme mir fast vor wie ein Störenfried, der die engagierten Krötenretter von der Arbeit abhält. „Was genau macht ihr denn?“ will ich wissen. Und dann kann ich eine Menge lernen. Rechts und links der Straße werden Zäune gezogen, in Abständen Eimer vergraben. „Die Kröten wandern zum Laichen an den Teich, dabei müssen sie die Straße überqueren.“ „Na, das kann ja kein großes Problem sein, ist doch keine Autobahn und die Straße ist auch nicht besonders breit. Und auch keine Durchgangsstraße. „Wie seid ihr denn auf die Idee gekommen? Kaum Verkehr und keine Kröte zu sehen,“ frage ich daher verwundert. „Wenn du letztes Jahr hier einen Spaziergang gemacht hättest, würdest du das wahrscheinlich nicht fragen“, erhalte ich zur Antwort. Dieses Teilstück der Straße war übersät mit toten Kröten, du konntest hier nicht hergehen, ohne auf sie zu treten.“ „Eine andere Stelle ist am Kreiter“, ergänzt Petra. Da mache ich das schon seit zehn Jahren, habe also etwas Erfahrung darin. Wenn die Laichzeit einsetzt, etwa Mitte März, wandern hier Tausende von Kröten über die Straße. Da reicht ein Radfahrer, um zig Tiere zu überfahren. Viele sind nicht gleich tot, sondern sterben qualvoll an ihren Verletzungen. Es gibt hier einen regelrechten Teppich von verendeten Tieren. Viele sterben auch einfach durch den Luftdruck. E-Bikes, Autos, Motorräder und Mopeds entfachen einen solchen Druck, dass die Stimmblase platzt und die Kröten verenden. Deshalb bitten wir auch alle, langsam zu fahren, Radfahrer sollten auf demkleinen Stück sogar absteigen.“ „Und was macht ihr hier genau? Die Kröten müssen doch über die Straße zum Ablaichen. Können sie das dann nicht mehr?“ „Schau dir das an: Wir ziehen den Zaun, so dass die Kröten die Straße nicht überqueren können. Sie hüpfen daher am Zaun entlang auf der Suche nach einem Übergang. Wir graben alle paar Meter Eimer ein, in die die Kröten dann hineinplumpsen. Allein können sie nicht wieder raus. Wir kommen dann, graben den Eimer aus, bringen ihn über die Straße und lassen die Tiere raus.“ – „Und warum zieht ihr auf der anderen Seite auch einen Zaun?“ – „Nun, die Tiere hüpfen nach der Eiablage auch wieder zurück in ihr eigenes Gebiet. Da müssen sie die Straße wieder überqueren.“ >>> Fotos: Otti Haupt

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 21 PERSPEKTIVEN Fortsetzung „Wer trägt denn die Kosten?“ will ich noch wissen. „Das Material ist doch bestimmt nicht billig.“ – „Nun, die Zäune kosten ca. 1000 Euro, da hilft uns die Stadt. Sie kann nur keine Arbeiter schicken, dafür hat sie kein Personal. Aber der Kommunalbetrieb stellt Schilder auf und hilft, wo er kann. Eine tolle Zusammenarbeit.“ „Ich könnte helfen“, biete ich mich an, „ich könnte zum Beispiel öfter hier spazieren gehen und dabei die Eimer von der einen auf die andere Seite tragen.“ – „Auf gar keinen Fall, nur das nicht, das wollen wir schon selber machen. Wir wollen sicher gehen, dass die Eimer regelmäßig und fachgerecht entleert werden, dabei machen wir auch Zählungen, wie viele Kröten auf diese Weise sicher über die Straße kommen.“ Ich bin rundum beeindruckt und verabschiede mich. Schließlich wollen alle arbeiten und nicht quatschen. Noch einmal ein Blick zurück. Plakate sind gemalt worden, die auf die Aktion und die Krötenwanderung hinweisen, überall wird gegraben, werden Zaunpfähle in den Boden geschlagen, Zaunmaterial gezogen. Und die Luft ist voll von Lachen und guter Laune. Eine Aktion, die sinnvoll ist und zugleich noch Spaß macht. Wenn dieses Heft erscheint, ist die Aktion beendet, die Kröten sind dann zumeist zurückgewandert. - Hat sich die Aktion gelohnt? Auf Nachfrage Ende März sind bereits mehr als 1500 (!) Tiere sicher über die Straße gebracht worden. Auch ein Lurch war dabei. Danke an die tollen Helferinnen und Helfer! Otti Haupt

Dienstag, 7. Juni 2022 Seite 22 PERSPEKTIVEN Werler Denkmäler aus der Nähe betrachtet An dieser Stelle möchte sich die „Denkmalgruppe“ des Neuen Heimat- und Geschichtsvereins zunächst kurz vorstellen: Seit der Vereinsgründung ist es ein wichtiges Anliegen des NHGV, unsere schöne historische Werler Altstadt mit ihren immer noch zahlreichen denkmalgeschützten Häusern zu erhalten. Dafür arbeitet seit vielen Jahrzehnten die Denkmalgruppe des Vereins unter der fachkundigen Leitung von Willi Halekotte, welcher sie vor über 50 Jahren gegründet hat. Inzwischen ist die Gruppe auf etwa 20 interessierte Mitglieder angewachsen, von denen sich ein Teil in regelmäßigen Abständen trifft. Das Projekt, mit welchem wir uns derzeit befassen, ist die Denkmalliste der Stadt Werl von 2014. In dieser Liste sind über 200 Denkmäler aufgeführt - in der Stadt Werl selbst und in den Dörfern. Es gehören nicht nur denkmalgeschützte Häuser dazu, sondern natürlich auch die Kirchen, zahlreiche Heiligenhäuschen, der Judenfriedhof in Büderich, das Stück alte Stadtmauer im Neuergraben und vieles mehr (einsehbar ist die Liste unter www.werl.de). In diesen Tagen erfassen wir - in Absprache mit der Stadt Werl - die etwa 90 denkmalgeschützten Häuser in der Innenstadt. Dazu schauen wir uns die entsprechenden Gebäude von außen an und dokumentieren ihren aktuellen Zustand. Eine interessante Tätigkeit – eigentlich glaubte man, seine Heimatstadt zu kennen. Aber es ist erstaunlich, wie viele schöne Details man plötzlich an alten Häusern entdeckt, wenn man mal näher hinschaut (natürlich ist einiges auch nicht so schön, aber welche Stadt ist schon perfekt…). Deshalb: Spazieren Sie doch mal in Ruhe durch die Innenstadt und richten Ihren Blick bewusst nach oben auf die Außenfassade der oberen Stockwerke. Es gibt viele Kleinigkeiten zu entdecken, die man beim wöchentlichen Einkaufsbummel einfach übersieht. Es gibt noch viele weitere Ideen und Projekte für die Denkmalgruppe, darunter z.B. das Thema Bodendenkmalpflege, bei dem es um Ausgrabungen und Bodenfunde geht. Wenn Sie ein bisschen neugierig geworden sind auf unsere Arbeit und uns unterstützen möchten, sind Sie herzlich willkommen. Wenn Sie darüber hinaus Interesse an den Aktivitäten des Neuen Heimat- und Geschichtsvereins haben, finden Sie alle Informationen auf unserer Internetseite www.nhgv-werl.de Ursula Schlünder Fotos: Wilfried Mars

RkJQdWJsaXNoZXIy MTUzOTQ2Mw==